Da draußen verändert sich etwas. Rasant schnell. Mittendrin und als Teil dieser disruptiven Entwicklung werfen sich für uns geradezu futuristische Fragen auf, die scheinbar alles infrage stellen. Doch eines scheint sicher zu sein: So lange Reiseveranstalter noch keine Zeitreisen anbieten, werden wir wie alle Generationen vor uns mit Veränderungen intelligent umgehen. Doch aus Sorge vor der digitalen Welt von morgen und dem Wunsch nach der vergangenen, scheinbar heilen Welt, versäumt manch einer diese Entwicklung und weiß dabei gar nicht, wie die schöne neue digitale Arbeits- und Lebenswelt eigentlich aussehen wird.

Sicherlich ganz anders als gedacht:
„Das Internet wird verschwinden,“ diese These stammt ausgerechnet von Eric Schmidt, dem Executive Chairman des Google-Mutterkonzernes Alphabet. Er, und mit ihm andere Manager, zeigten sich vor drei Jahren auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos davon überzeugt, dass das Internet schlicht selbstverständlich in unserem Lebensalltag werde und somit im Alltag aus unserer Wahrnehmung verschwinde. Ob Auto, Kühlschrank, Mensch – alles werde künftig konstant online sein und somit immer mit dem Internet verbunden. Der Status „Offline“ verschwindet nach und nach. Aussagen wie „Ich gehe ins Internet“ oder „Ich surfe im Internet“ haben ausgedient. Vorbei die Zeit der 1990er Jahre, in denen man sich mit einer Art Tonfestival über die Telefonleitung mühsam in die digitale Welt „einwählen“ musste.

Etwas konkreter drückte es Ragan Mayndryk von der kanadischen Universität Saskatchewan auf dem Zukunftskonferenz CHI im Frühjahr 2018 aus. „Das Zusammenspiel von Mensch und Computer war früher vielleicht etwas für Leute, die in Büros gearbeitet haben oder genug Geld für einen Rechner zu Hause hatten. Jetzt sind wir davon aber überall umgeben: bei jedem Gebrauch des Smartphones, jedes Mal, wenn man den Computer benutzt oder im Aufzug den Touchscreen berührt. Wir finden das überall. Obwohl unsere Gesellschaft sehr verschieden ist, eint uns dasselbe Bedürfnis,“ sagte die Professorin.

Grenzenloser Lebensalltag

Geht es um das Thema der Arbeitswelt der Zukunft konkretisiert Claudius Marx diese Aussagen und deren Bedeutung für unseren Alltag und den der IHK-Mitgliedsunternehmen. „Die Grenzen im Lebensalltag werden verschwimmen“, sagt der Professor und Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee. Was aber heißt das? Marx fasst es in zwei Thesen zusammen.

1. Die Trennung zwischen Wohnungs- und Arbeitsort wird sich immer mehr auflösen. „Wenn jemand im Park oder Garten an einem Bildschirm sitz, werden wir nicht mehr sagen können, ob er gerade seinen Urlaub plant, mit der Freundin chattet oder die Angebote für ein Kundengespräch vorbereitet. Den klassischen Arbeitsplatz wird es zwar weiterhin geben, aber eher als „Meeting-Point“. Für große Teile der Arbeitswelt wird nicht mehr wichtig sein, wo Sie sich aufhalten.“

2. Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit wird sich auflösen, denn die „Arbeitszeit kann künftig flexibel gestaltet werden, dass nicht mehr zwingend von 8 bis 16 Uhr gearbeitet werden muss. Digitale Arbeit kann sekundengenau erfasst und vergütet werden – da ist es nicht nur gleich, wo, sondern auch, wann sie erbracht wird.“

Neue Herausforderungen werden sich stellen, betont Marx: „Je langweiliger, skalierbarer und repetitiver eine Tätigkeit ist, desto eher wird sie digital ersetzbar sein. Dazu zählen etwa das Schreiben und Versenden von Rechnungen genauso wie ihre Bearbeitung beim Empfänger und der Zahlungsverkehr. Umgekehrt gilt: Je individueller und kreativer eine Tätigkeit, desto eher ist sie ‚digitalisierungsfest‘.“

Wir müssen keine Zeitreise machen, um diese schöne neue Lebenswelt zu entdecken. Auch wenn noch unklar ist, wo die Reise hingeht. Eines scheint klar: Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und somit unseren Lebensalltag in einem nie gekannten Tempo. Ein Ende dieser temporeichen Entwicklung und wie lange sie dauern wird, sind völlig unklar. Es deutet vieles auf einen echten Strukturwandel hin, den der Mensch so vielleicht nur aus der industriellen Revolution kennt. Das beginnt bei der Bereitschaft zu Umstellungen im Lebensalltag und geht hin bis zum stetigen Lernprozess bis ins hohe Alter. Für die Studierenden der SRH Fernhochschule gilt allerdings schon jetzt: gelebter Bildungsalltag 4.0.