Rollenbilder für Frauen und Männer und wofür sich die Gleichstellungsbeauftragte einer Hochschule einsetzt

Vor kurzem wurde Zeitungslesern erklärt, dass der Azubi-Mangel eher „auf einem Imageproblem“ beruhe. Der Grund für diese Äußerung: „Was passiert, wenn der Jugendliche in der Disko der jungen Dame am Tresen erzählt, er wird Metzger“, überlegte ein Handwerkskammervertreter in der Schwäbischen Zeitung vom 30.8.2019. Dabei vermutete er, dass das Werben um die junge Frau wenig erfolgsversprechend sein würde. Deutlich steht hier der Mann im Mittelpunkt der Überlegung. Er muss sich exponieren, er muss sich präsentieren und dazu noch als Metzger. Ein bedingt veraltetes Rollenbild von Männern und Frauen und Stereotype, die auch im 21. Jahrhundert immer noch funktionieren – trotz des im Grundgesetz seit genau 70 Jahren festgeschriebenen Gleichheitsrechts für Männer und Frauen.

Warum ist es also der Jugendliche, der Metzger wird. Was wäre, wenn die junge Frau Metzgerin würde und der junge Mann fände das sogar gut? Was wäre, wenn die junge Frau aktiver dargestellt würde? Oder jeder hinterfragen würde, warum sich der junge Mann mit seiner Berufswahl „präsentieren“ muss.

So sehr diese Überlegungen nach Wortklaubereien klingen: Auch Formulierungsfragen und die Darstellung von Männer- und Frauen in ihren jeweiligen Rollen gehören zur Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten unserer Hochschule. Prof. Dr. Christine Schimek hat dieses Amt seit 2015 inne und meint, dass Gleichstellung – „leider“ – immer noch ein Thema sei, auch wenn sie eher Chancen fördert und begleitet, als Formulierungen überwacht.

Frau Schimek: Kann man bei der Studienfachwahl nach typisch männlich / typisch weiblich unterscheiden?

Soweit würde ich nicht gehen, doch scheint es ein stärkeres Interesse von Frauen für bestimmte Studiengänge zu geben.

Meinen Sie dies: Ein Student erzählte einmal, dass in seiner Lerngruppe im Management-Bachelor nur ein-zwei Frauen waren und er dagegen im Master mit Kommunikationsbezug der einzige Mann in seiner Lerngruppe war?

Ja, das ist teils sehr auffällig. Beispielweise wenn in Pharma-Studiengängen – ein Thema, das ich sehr plakativ mit dem sozialen Motiv „helfen“ zuordnen würde – viele Frauen sind. Im Studiengang Pharmamanagement und -technologie der SRH Fernhochschule sind aktuell 70 Prozent Frauen immatrikuliert; damit liegt der Frauenanteil noch deutlich höher als in anderen akademischen Berufen im Pharmasektor, und etwa gleichauf mit dem Anteil Apothekerinnen von 73 Prozent. Die Studierenden sind angetrieben vom Wunsch, ihren Beitrag für die Entwicklung und Einführung neuer Medikamente und Therapiemöglichkeiten zu leisten – dort, wo es auf ihre Fähigkeiten ankommt.

Das Verteilungsungleichgewicht betrifft u. a. auch Kommunikationsstudiengänge. Ein Fach, das man plakativ mit „reden“ gleichsetzen könnte (hier schmunzelt Professorin Schimek) oder auch Studiengänge mit Ernährungsbezug. Und dann haben wir wieder einige der MINT-Studiengänge. Hierzu zählen Besonders die Fachgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, in den Frauen bis heute in der Minderzahl sind – seit Jahren ähnlich um 30 Prozent, weniger als in Ländern mit hohem Gender-Gap.

Das kann gesellschaftlich-kulturell bedingt sein, kann an der konkreten Familientradition oder Generationszugehörigkeit liegen. Auch wenn wir uns selbst als moderne, aufgeklärte Menschen empfinden, sind wir doch von Rollenbildern und -zuschreibungen geprägt. Eine wissenschaftlich eindeutige Erklärung für das Funktionieren der Rollenbilder dafür gibt es allerdings bis heute nicht.

Ist das denn so wichtig?

Für unsere Wirtschaft und Gesellschaft schon. Studien geben starke Hinweise darauf, dass gemischte Teams kreativer, erfolgreicher sind, sie handeln nachhaltiger. Sogar der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen ist nachhaltiger, wenn im Managementteam Männer und Frauen sind.

Und was kann man/frau also tun?

Meine Empfehlung für die Frauen: sich an erfolgreichen orientieren und wenn es dort, wo frau hinwill, keine gibt, dann dennoch darauf hinarbeiten.
Wir als Hochschule können sowohl Frauen und Männer auf Gleichberechtigung achten, ermutigen und unterstützen und Vorbilder schaffen. Gerade junge Menschen brauchen role models und identifizieren sich mit ihnen – und gehen dann auch mal neue Wege. Denken Sie nur daran, wie lange es gedauert hat, bis sog. Hausmänner nicht mehr belächelt wurden und von Männern nicht mehr erwartet wurde, dass sie die Familie ernähren.

Zur Person:

Christine Schimek ist seit 2015 Professorin für Life Sciences an der SRH Fernhochschule. Die studierte Biologin und habilitierte Mikrobiologin ist Departmentleiterin Naturwissenschaft & Technologie sowie Studiengangsleiterin Pharmamanagement und -technologie und spricht besonders gerne über die Chancen und Möglichkeiten im Fernstudium und mit Online-Werkzeugen eine immer besseres Umfeld für das Studium zu schaffen.