Die SRH Fernhochschule im Verbund der Systemakkreditierung

Die SRH Hochschulen Berlin, Heidelberg und die SRH Fernhochschule gehören zum exklusiven Kreis der systemakkreditierten Hochschulen. Die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZEvA) zertifizierte das gemeinsam entwickelte Qualitätsmanagementsystem dieser drei SRH Hochschulen in einem aufwändigen dreijährigen Verfahren. Insgesamt hat bislang lediglich rund ein Viertel der über 400 Universitäten und Hochschulen in Deutschland das Siegel der Systemakkreditierung erhalten.

Was bedeutet Akkreditierung?

Im Hochschulkontext ist die Akkreditierung (lat. accredere: Glauben schenken) ein Instrument der Qualitätssicherung und -entwicklung und damit eine Art „TÜV-Prüfung“ für die Qualität in Lehre und Studium. Dabei werden einzelne Studiengänge sowie Qualitätsmanagementsysteme von Hochschulen in einem länder- und hochschulübergreifenden Verfahren durch privatwirtschaftliche Agenturen mit Hilfe von externen Experten qualitativ untersucht, bewertet und zertifiziert. Der Ursprung der Akkreditierung im Bildungsbereich liegt im angelsächsischen Rechtskreis und insbesondere in den USA.

Akkreditierung in Deutschland

1998 wurde im Zuge der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen auch in Deutschland ein Akkreditierungssystem zur regelmäßigen Begutachtung von Bachelor- und Masterstudiengängen implementiert. Durch das Verfahren der Programmakkreditierung sollten fachlich-inhaltliche Mindeststandards überprüft und die Berufsrelevanz der Abschlüsse gesichert werden.* Programmakkreditierungen werden in Deutschland seither von zehn Akkreditierungsagenturen angeboten und gemäß den Regeln und Kriterien des Akkreditierungsrates durchgeführt.**

Einführung der Systemakkreditierung

Im Oktober 2007 beschloss der Akkreditierungsrat die Einführung der Systemakkreditierung, die das System der Programmakkreditierung ergänzt. Während die Programmakkreditierung einzelne Studiengänge begutachtet, überprüft die Systemakkreditierung das gesamte interne Qualitätssicherungssystem im Bereich von Studium und Lehre. Bei erfolgreicher Systemakkreditierung entfällt die Pflicht zur Programmakkreditierung, da eine regelmäßige interne und externe Prüfung der Studiengänge durch das hochschuleigene QM-System sichergestellt wird.

Die Vorgaben die Systemakkreditierung definieren zwar Kriterien für das Qualitätssicherungssystem, geben aber keine bestimmte Ausgestaltung oder Struktur vor. Dadurch kann sich die Qualitätsentwicklung stärker an den hochschulischen Zielen, Prozessen und Leitlinien orientieren. Das Prinzip Eigenverantwortlichkeit für die Qualität der Studiengänge wird gestärkt. Durch die Systemakkreditierung erhalten die Hochschulen somit eine größere Autonomie und Gestaltungsspielräume bei der Qualitätssicherung im Bereich von Studium und Lehre. Für die Konzeption und Implementierung von hochschuleigenen sog. QM-Systemen in der Systemakkreditierung werden an den systemakkreditierten Hochschulen allerdings auch umfangreiche zeitliche und personelle Ressourcen benötigt. Dies kann insbesondere kleinere und mittelgroße Hochschulen vor große Herausforderungen stellen.***

Das SRH-Modell

2016 beschlossen die drei größten SRH Hochschulen Berlin, Heidelberg und die SRH Fernhochschule – The Mobile University Synergien in verschiedenen Hochschulfeldern auszuschöpfen und im Bereich der Qualitätssicherung und -entwicklung gemeinsame Wege zu gehen. Dafür stellten die Hochschulen einen gemeinsamen Antrag auf Systemakkreditierung. Ziel war es, gemeinsame Qualitätsziele und QM-Prozesse zu definieren, die vergleichbare Qualitätsstandards an allen drei Standorten sicherstellen und dabei den jeweiligen Besonderheiten und Profilen der Hochschulen ausreichend Raum geben.

Zur Umsetzung des Projekts wurde im ersten Schritt eine Steuerungsgruppe bestehend aus den Hochschulleitungen der drei Hochschulen eingerichtet, das sogenannte „Steering Committee“. Dieses Gremium bestimmt die Grundsätze und Leitlinien des gemeinsamen Qualitätsmanagementsystems im Hochschulverbund. Zeitgleich wurde eine Arbeitsgruppe zur konzeptionellen und operativen Umsetzung der Qualitätsmanagementstrategie gegründet. Diese setzt sich aus den QM-Mitarbeiter/-innen der drei Hochschulen zusammen. Diese QM-AG entwickelte Vorschläge und Konzepte für die qualitätssichernden Prozesse im Bereich von Studium und Lehre.

Als nächstes wurden die im Verbund erarbeiteten Grobkonzepte in einem partizipativen Prozess an allen drei Hochschulen in den Hochschulgremien wie dem Akademischen Senat etc. vorgestellt und diskutiert. So konnte das Feedback von Lehrenden und Studierenden für die Optimierung und Konkretisierung der Prozesse genutzt werden. Im nächsten Schritt erfolgte die Implementierung und Erprobung der Prozesse an den drei Hochschulstandorten.

Quality Network of Higher Education e.V.

Eine Besonderheit des QM-Systems stellt die Akkreditierung der Studiengänge im Rahmen eines 2018 gegründeten gemeinnützigen Vereins dar. Hier werden in Form eines sogenannten QM-Boards die Akkreditierungen an allen drei Hochschulstandorten zentral geplant und koordiniert. Eine weitere Besonderheit ist die Einrichtung einer hochschulübergreifend besetzten Akkreditierungskommission, welche über die Akkreditierung im Verbund entscheidet. Dafür nutzt sie die Bewertungsberichte der externen Gutachtergruppe, die jeweils für die Begutachtung der einzelnen Studiengänge einberufen wird.

Vor-Ort-Begutachtungen in Heidelberg und Berlin

Zur Begutachtung des Systems wählte die Agentur (ZEvA) fünf externe Experten aus: zwei ausgewiesene Hochschulvertreter, ein Praxisexperte und ein Studierender. Diese studierten zunächst die eingereichten Unterlagen zum QM-System der Hochschulen. Anschließend besuchten die Experten zwei der drei Hochschulen und befragten jeweils zwei Tage lang in verschiedenen Gesprächsrunden verantwortliche Beteiligte aller beteiligten Hochschulen: von der Hochschulleitung über QM-Beauftragte und Lehrenden bis hin zu Studierenden. Im September 2018 fand die erste Begehung an der Hochschule Heidelberg statt. Darauf folgte Ende Februar 2019 die zweite Begehung an der SRH Hochschule Berlin. Dabei wurden sieben Studiengänge als Stichprobe ausgewählt, bei denen u.a. die Qualitätssicherung des Prüfungssystems unter besonderer Berücksichtigung des CORE-Prinzips dargestellt und überprüft wurde.

Mitte Juli erhielten die Hochschulen das abschließende Gutachten zur Stellungnahme. Dabei wurde das QM-System insgesamt für geeignet befunden, die Qualität von Studium und Lehre in der vorgelegten Form zu gewährleisten. Zugleich werden die noch angemerkten Verbesserungen umgesetzt. Der definitive Bescheid über die erfolgreiche Akkreditierung und die zugehörigen Urkunden mit dem Siegel des Akkreditierungsrats sind nun Ende August eingetroffen. Damit sind die drei SRH Hochschulen für sechs Jahre systemakkreditiert. Künftig können sich jetzt auch andere SRH-Hochschulen dem QM-System anschließen.

Dr. Kerstin Fink und Thomas Gossner

Kerstin Fink ist Leiterin der Abteilung Qualität & Entwicklung an der SRH Hochschule Heidelberg und seit Februar 2017 im Projekt der Systemakkreditierung im SRH-Verbund aktiv Zuvor war sie Mitarbeiterin im Qualitätsmanagement der iunworld GmbH und konnte dort Erfahrungen in der Systemakkreditierung im Verbund der Hochschule für angewandtes Management und der Deutschen Hochschule für Gesundheit & Sport sammeln.

Thomas Gossner ist seit 2018 Geschäftsführer des Vereins Quality Network of Higher Education. Darüber hinaus besitzt er langjährige Erfahrung im Bereich der Programm- und Systemakkreditierung an Hochschulen. Zudem betreute er bereits zahlreiche Akkreditierungsverfahren als Referent von evalag (Evaluationsagentur Baden-Württemberg). Zuvor war er für das Qualitätsmanagement an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl zuständig.

* Beschluss der Kultusministerkonferenz

** Die Stiftung Akkreditierungsrat ist eine gemeinsame Einrichtung der Länder für die Qualitätssicherung für Studium und Lehre an deutschen Hochschulen. Er vergibt Qualitätssiegel für Studiengänge und Qualitätsmanagementsysteme. 

*** Vgl. Zeitschrift für Hochschulentwicklung ZFHE Jg.8 / Nr. 2, März 2013, Chancen und Herausforderungen hochschulübergreifender Qualitätsmanagementsysteme.