Ähnlich wie das Papier im Büro wurde im vergangenen Jahr die E-Mail gedanklich beerdigt – nach nur knapp 50 Lebensjahren. Der erste elektronische Brief soll im Spätherbst 1971 im US-amerikanischen Cambridge von einem Raum in den Nachbarraum ge“gangen“ sein. Ray Tomlinson, der am ARPANET – einem der Vorgänger des Internets – arbeitete, gilt als Erfinder der E-Mail. Dann 13 Jahre später wurde in Deutschland die erste Mail versendet. Diese irrte 24 Stunden durch den Äther, bevor sie ihren Empfänger erreichte. So lange brauchten spätere E-Mails nicht mehr. Als jedoch die E-Mail die Büros erreichte, wurde sie nicht selten als neumodischer Krams belächelt und abgelehnt. Dahingegen ist die Zahl der heute empfangenen und versendeten E-Mails hoch: 2018 wurden allein in Deutschland 848 Mrd. Mails versendet (ohne Spam, Quelle gmx.net 02/2019).

E-Mail überall

Anders als der one-to-many-Austausch ist die E-Mail heute an einer Fernhochschule, mehr noch: an einer Mobile University, nicht mehr wegzudenken und eine der wichtigsten Kommunikationsformen für Information und persönlichen Austausch. Denn per E-Mail werden Studierende betreut, Forschungsvorhaben abgestimmt, Verwaltungsprozesse vorangetrieben. Sie gehören sowohl ins Homeoffice als auch ins Smartphone – egal ob Professorin, Dozent, Studierende oder Verwaltungsmitarbeiter. Heute können Studierende und ihre Betreuer Mails mobil bearbeiten – auch unter den extremsten Bedingungen – vom anderen Ende der Welt oder auch von einer Raumstation. Nur unter Wasser funktioniert dies (noch) nicht.

Mails sind was für ältere?

Mancher Professor der Mobile University empfängt 50, 150 oder auch 250 Mails – pro Tag. Viele von ihnen stammen von Studierenden, mit denen er oder sie sich zu Exposés austauscht, Fragen zu Prüfungen beantwortet oder in auch in Karrierefragen berät. Es ist heute die klassische Art der persönlichen Betreuung, die aber auch über Skype, Adobe Connect oder ganz klassisch am Telefonhörer stattfinden kann. So werden in der Studierendenbetreuung jeden Tag zwischen 850 und 1.300 E-Mails ausgetauscht. Angesichts dieser Zahlen scheinen Voraussagen, dass knapp 50 Jahre nach der ersten Mail und 30 Jahre nach der ersten Mail in Deutschland dieses Kommunikationsmittel altmodischer Krams sei und nur für die ältere Generation (Quelle: Businessinsider.de*) wenig wahrscheinlich.

Tele … – was?!

Schließlich werden ja auch immer noch Telefaxe versendet. Tele … – was?! Das sind die „Dinger“, bei denen man Dokumente in eine Art Schreibmaschine (was war das nochmal?) steckt. Dabei bleibt das eigene Papierstück beim Absender. Das Empfängergerät spuckt eine Kopie aus. Manche Verwaltungen nutzen diesen Weg bis heute. Wie also die nächste schriftliche Austauschform für ein mobiles Studium aussehen wird? Sicher bastelt schon jemand an einer Idee…

*Artikel „Experten sagten für 2018 das Ende der E-Mail voraus — sie hat einen unscheinbaren Nachfolger“, 13.3.2018